Aufgrund des Erfolgs bis Ende Januar verlängert!
Piet Mondriaan und Michel Seuphor | Eine Freundschaft in Linie und Farbe
Im pulsierenden Paris des frühen 20. Jahrhunderts besucht der junge Künstler Michel Seuphor (1901–1999) das Atelier von Piet Mondriaan. Das Gebäude beeindruckt Seuphor nur wenig. Er erzählt: „Der kleine Innenhof, an dem sich der Eingang zu Mondriaans Atelier befand, war sehr armselig. Im Treppenhaus roch es etwas unangenehm.“ Einmal drinnen, erlebt Seuphor etwas Besonderes: „Schönheit, Frieden, Ruhe und Ausgeglichenheit.“ Im Atelier werden Mondrians Vision und Präzision spürbar. Es ist ein Ort, an dem Kunst und Philosophie zusammenkommen.
Michel Seuphor, Pseudonym von Fernand-Louis Berckelaers, war eine der Schlüsselfiguren der Kunstszene der Zwischenkriegszeit. Als Dichter, Essayist, Kunsthistoriker und Kritiker verteidigte er die abstrakte Kunst und schlug Brücken zwischen Generationen von Künstlern. Er stand an der Wiege von Avantgarde-Gruppen und Zeitschriften, darunter die führende Zeitschrift Het Overzicht und später die Künstlergruppe Cercle et Carré, die abstrakte Kunst verschiedener Disziplinen zusammenbrachte. Mit seinem breiten Netzwerk, das von Fernand Léger bis Sonia Delaunay reichte, spielte Seuphor eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung und Vertiefung der Ideen hinter der abstrakten Kunst.
Neben seinem literarischen Werk entwickelte Seuphor eine eigene Bildsprache. Zwischen 1926 und 1929 schuf er geometrisch-abstrakte Gouachen im Stil Mondrians und experimentierte später mit unilinearen Zeichnungen, „Lehmzeichnungen”, Collagen, Wandteppichen, Teppichen und Keramik. Seine Arbeit zeichnet sich durch Linienführung, Geometrie und Rhythmus aus und veranschaulicht seine Suche nach einer Synthese zwischen Literatur und bildender Kunst.
Die Begegnung mit Mondriaan ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft zwischen den beiden Künstlern, die sich gegenseitig inspirieren. Gemeinsam schaffen sie ein Tableau-Poème, in dem Malerei und Dichtkunst zusammenkommen. Seuphor verfasst außerdem die erste Monografie über Mondrian, in der er dessen Leben und Werk beleuchtet. Sein vielseitiges Vermächtnis als Schriftsteller, Kritiker und Künstler wird in dieser Ausstellung lebendig, die den fortwährenden Dialog zwischen Linie und Farbe untersucht.
Foto’s: Erwin Kamp.
Beeld: © SABAM Belgium, 2025, Michel Seuphor, Jeu dans l’axe, inv.nr. 4066, foto: d/arch, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen – Collectie Vlaamse Gemeenschap.